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Das Schlimmste

Vorhin am Telefon sagte ein Freund, seine ganze Situation sei inzwischen dermaßen verfahren, dass er eigentlich nur noch auf die „Landung von Außerirdischen“ warte. Er ist Vater von zwei Kindern, hat durch die Pandemie den Job verloren, zahlt seit Kurzem ein Haus ab und sorgt sich um seinen Vater, der aufgrund einer Demenzerkrankung langsam in den Wahnsinn abdriftet. Was den Verlust des Jobs und die Sorge um den Vater angeht, ähneln sich unsere Nöte. Im Gegensatz zu ihm habe ich aber kein Haus gekauft und falle mit meiner Existenzkrise zum Glück nur einem Kind zur Last. Und natürlich meiner Freundin.
Ich sagte es meinem Freund zwar nicht, aber ich dachte: Wirklich erstaunlich … genau das sind meine Gedanken! Genau das habe ich in den letzten Monaten immer wieder gedacht. Beim Lesen des Spiegel-Liveblogs, beim Blick auf die Schlagzeilen der Zeitungen, beim Gespräch mit Freunden. Auch ich rechne mittlerweile fest damit, dass (sozusagen als Dreingabe zu all den anderen Krisen) irgendwo in der amerikanischen Wüste Außerirdische landen, ein Asteroid auf die Erde zurast, Donald Trump an diesem Dienstag ein zweites 2016 gelingt und alle Impfstoffkandidaten scheitern.
Diese Erwartungshaltung, die man vorsichtig formuliert als pessimistisch, vermutlich aber eher als fatalistisch bezeichnen könnte, macht das Leben nicht eben schöner.
Sicher, die Lage ist bedrückend, und eigentlich gibt es ja auch wirklich nicht besonders viele Gründe, mit Gelassenheit auf die kommenden Monate zu blicken. Aber muss man derart hoffnungslos sein? Muss ich vom Schlimmsten ausgehen, statt zumindest spaßeshalber einmal in Erwägung zu ziehen, dass die eine oder andere Sache auch gut ausgehen kann?
Zum Beispiel könnten die Außerirdischen freundlich gesonnen sein. Sie könnten den amerikanischen Präsidenten direkt durch das Dach des Weißen Hauses in ihr Raumschiff saugen und zu Forschungszwecken eine Weile dort oben behalten. Zumindest für ein paar Jahre. Außerirdische machen so was.
In diesem Falle wäre ihr Besuch weit weniger unwillkommen als gedacht – überhaupt keine Frage.
Sicher, sonderlich wahrscheinlich ist dieses Szenario nicht. Schließlich sind weit gereiste Außerirdische zwangsläufig viel zu intelligent, um ausgerechnet während einer Pandemie auf der Erde zu landen. Es sei denn, sie kämen mit bösen Absichten, in sehr guten Schutzanzügen und auf eine hilflose Menschheit setzend. Dann würden sie allerdings nicht nur Trump in ihr Raumschiff saugen, sondern wahrscheinlich sehr viele von uns, so dass das eigentlich ja sehr willkommene Verschwinden von „The Donald“ irgendwie in den Hintergrund träte. Zumindest vorübergehend.
Aber es könnte so kommen. Ebenso wie es möglich wäre, dass einer der Impfstoffe sogar besser funktioniert als erwartet oder der Asteroid doch noch ein paar Lichtjahre weiterfliegen will.
Auch das Menschheitsproblem mit der Demenz könnte sich auf die ein oder andere Weise entschärfen. Wobei mir nach derzeitigem Stand der Medizin leider keine wirklich gute Lösung einfällt, die ohne die überraschende Hilfestellung überlegener Aliens auskommt. Womit ich mich irgendwie im Kreis drehe.
Auf jeden Fall ist vieles möglich. Man muss nicht immer vom Schlimmsten ausgehen.

Auch 2020 nicht.

2 Antworten auf „Das Schlimmste“

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